Einkommen bis 450€ sind sozialversicherungsfrei. Damit aber auch Geringverdiener mit einem Verdienst zwischen 450,01€ und 850€ entlastet werden, wird hier die Gleitzone für Niederiglöhne angewendet. Diese Einkommen sind zwar versicherungspflichtig, müssen aber nur geringeren Beiträge entrichten. Die Beiträge der Arbeitgeber bleiben unverändert.


Geringverdiener profitieren von Gleitzonengrenze

Um zu ermitteln, ob ein Arbeitnehmer unter diese Regelung fällt, werden die Einkünfte regelmäßig betrachtet. Verdient ein Arbeitnehmer aus diversen Gründen kurzfristig weniger oder mehr als der in der Gleitzone festgelegte Betrag, würde die Regelung nicht wirksam werden.

Bei der Prüfung werden steuerfreie Beträge des Gehalts nicht beachtet sofern die Steuerfreiheit auch eine Sozialversicherungsfreiheit nach sich zieht. Die gleiche Voraussetzung gilt bei der Anwendung der Pauschalisierung.

Folgende Beträge werden nicht beachtet:

  • Arbeitslohn, der steuerfrei und beitragsfrei ist (Sachbezüge bis 44€, Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit usw.)

  • Beiträge für Direktversicherungen, die nach §3 Nr. 63 Satz 1 und 2 EStG steuerfrei sind

  • steuerfreie und beitragsfreie Übungsleiterpauschale in Höhe von 200€ im Monat

  • Einnahmen aus ehrenamtlichen Tätigkeiten bis 720€ im Jahr

  • Aufwendungen des Arbeitgebers zur Gesundheitsförderung des Arbeitnehmers bis 500€ pro Jahr

  • Fahrkostenzuschüsse für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz (pauschale Versteuerung in Höhe von 15%)

  • Job-Tickets für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

  • Pauschal besteuerte Beiträge für Direkt- und Gruppenunfallversicherungen


Berechnung des Beitrags in der Gleitzone

Für die Berechnung von Beiträgen für Arbeitnehmer innerhalb der Gleitzone wird nicht das erhaltende Arbeitsentgelt herangezogen, sondern ein Betrag ermittelt. Dazu wurde folgende Formel entwickelt:

F*450+[(850/400)-(450/400)*F]*(AE-450)

F stellt hierbei den Berechnungsfaktor dar, dem der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz des Kalenderjahres zu Grunde liegt, in dem der Anspruch auf das Gehalt entstanden ist.

AE ist dabei das Arbeitsentgelt. Für das Jahr 2016 liegt der Faktor F bei 0,7605.

Dank dieses Faktors lässt sich die Formel auch einfacher darstellen:

1,2759625 x AE -234,568125

Angewandt auf einzelne Gehälter ergeben sich folgende Beispiele:

Gehalt

Bemessungsgrundlage für die Berechnung des Arbeitnehmeranteils

450,01 €

339,63 €

500,00 €

403,41 €

550,00 €

467,21 €

600,00 €

531,01 €

650,00 €

594,81 €

700,00 €

658,61 €

750,00 €

722,40 €

800,00 €

786,20 €

850,00 €

850,00 €


Auf die Bemessungsgrundlage werden die normalen Beitragssätze angewandt. Von dem daraus resultierenden Betrag wird der vom Arbeitgeber zu entrichtende Betrag abgezogen. Der Arbeitgeberanteil richtet sich nach dem tatsächlichen Gehalt und nicht nach der verminderten Bemessungsgrundlage.

Gleitzone und Mehrfachbeschäftigung

Geht ein Arbeitnehmer mehreren Beschäftigungen nach, werden alle sozialversicherungspflichtigen Entgelte addiert. Bei einer Überschreitung der Gleitzonengrenze werden die üblichen Abgabensätze fällig. Ein Minijob wird nicht mit angerechnet, da dieser nicht sozialversicherungspflichtig ist. Jede weitere geringfügige Beschäftigung wird angerechnet.


Beispielrechnung für Sozialbeiträge (Stand 2016)

    

Arbeitslohn

500,00 €

Anteile AG

Krankenversicherung

36,50 €

Pflegeversicherung

5,88 €

Rentenversicherung

46,75 €

Arbeitslosenversicherung

7,50 €

AG-Anteil gesamt

96,63 €

Anteile AN

Beitragspflichtige Einnahme

403,41 €

Krankenversicherung

Gesamt

63,34 €

AG-Anteil

36,50 €

AN-Anteil

26,84 €

Pflegeversicherung

Gesamt

9,48 €

AG-Anteil

5,88 €

AN-Anteil

3,61 €

Rentenversicherung  

Gesamt

75,44 €

AG-Anteil

46,75 €

AN-Anteil

28,69 €

Arbeitslosenversicherung

Gesamt

12,10 €

AG-Anteil

7,50 €

AN-Anteil

4,60 €

AN-Anteil Gesamt

63,73 €

Ausnahmen von der Gleitzonenregelung

Auch bei der Anwendung der Gleitzonenregelung gibt es Ausnahmen, selbst wenn die Entgelte innerhalb der Grenze liegen.

  • Auszubildende, Praktikanten, Teilnehmer an dualen Studiengängen und Teilnehmer von Umschulungen, die unter das Berufsbildungsgesetz fallen

  • Beschäftigungen bei deren Beitragsberechnung fiktive Gehälter angewendet werden, wie z.B. bei der Beschäftigung behinderter Menschen in entsprechend anerkannten Einrichtungen, Mitglieder geistiger Genossenschaften, Diakonien und ähnlichen Gemeinschaften

  • In Fällen von Altersteilzeit oder anderen Vereinbarungen über flexible Arbeitszeiten

  • Im Fall von Kurzarbeit und bei wetterbedingt geminderter Arbeitszeit im Baugewerbe bei denen im Regelfall das Gehalt über 850 liegt und nur durch die kurzfristig verminderte Arbeitszeit das Arbeitsentgelt unter diese Grenze fällt